


Hier findest du Gedanken und praktische Impulse rund um Geschäftsideen, Startups und Selbständige.
Hier findest du Gedanken und praktische Impulse rund um Geschäftsideen, Startups und Selbständige.

Eine gute Idee, eine vielversprechende Technologie und Menschen, die daran glauben.
Ein Startup entsteht. Die ersten Investoren steigen ein, Fördergelder werden zugesprochen und plötzlich stehen finanzielle Mittel zur Verfügung, von denen andere Unternehmen nur träumen können.
Das Team wächst. Neue Mitarbeitende werden eingestellt, Aufgaben verteilt und Strukturen aufgebaut.
Eigentlich läuft alles bestens.
Oder?
Was passiert, wenn das Unternehmen bereits kräftig wächst, das Produkt beim Kunden aber noch gar nicht richtig funktioniert?
Gerade bei technologieorientierten Startups steckt häufig enormes Fachwissen dahinter. Die Gründer kommen aus der Forschung, entwickeln neue Verfahren oder finden Lösungen für Probleme, an denen andere schon lange arbeiten.
Das ist beeindruckend. Nur braucht es für ein erfolgreiches Unternehmen mehr als eine gute Erfindung.
Plötzlich geht es um Finanzen, Personal, Vertrieb, Kundenbedürfnisse und unternehmerische Entscheidungen.
Und diese Fähigkeiten bringt man nicht automatisch mit, nur weil man ein hervorragender Wissenschaftler oder Entwickler ist.
Ein Startup braucht Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Die Vorstellung vom einsamen Erfinder, der alles allein auf die Beine stellt, entspricht selten der Realität.
Die Frage ist also nicht, ob ein Startup ein Team braucht. Sondern wann es welche Menschen braucht.
Stellen wir uns ein Startup vor, das eine neue Technologie für die Industrie entwickelt.
Unter kontrollierten Bedingungen funktioniert sie hervorragend. Die ersten Ergebnisse überzeugen, Investoren erkennen das Potenzial und das Team wird vergrössert.
Dann kommt die Anwendung beim Kunden.
Plötzlich zeigt sich, dass die Technologie zwar grundsätzlich funktioniert, sich aber nicht ohne Weiteres in bestehende Produktionsabläufe integrieren lässt. Die Verarbeitung dauert zu lange, die Anforderungen sind anders oder der zusätzliche Aufwand macht den wirtschaftlichen Nutzen zunichte.
Das Produkt ist noch nicht bereit.
Ein anderes Startup entwickelt einen neuartigen Werkstoff aus wiederverwerteten Materialien. Die Idee ist vielversprechend und könnte einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten.
Doch bei den ersten Anwendungen zeigt sich, dass sich das Material mit den vorgesehenen Produktionsverfahren nicht zuverlässig verarbeiten lässt.
Vielleicht braucht es ein anderes Verfahren. Vielleicht muss das Material nochmals angepasst werden.
Die Entwicklung geht weiter. Und das kann Jahre dauern.
Beide Beispiele sind frei formulierte, fiktive Situationen. Sie zeigen ein Problem, das bei der Entwicklung neuer Technologien auftreten kann.
Eine Technologie kann funktionieren, ohne dass daraus bereits ein Produkt geworden ist, das Kunden zuverlässig und wirtschaftlich einsetzen können.
Wenn ein Startup eine grössere Finanzierung erhält, eröffnen sich plötzlich viele Möglichkeiten.
Weitere Entwickler einstellen, den Vertrieb aufbauen, Marketing betreiben, neue Räumlichkeiten beziehen.
Alles Dinge, die für ein wachsendes Unternehmen irgendwann notwendig sein können.
Aber müssen sie es bereits heute sein?
Mit jeder neuen Stelle steigen die monatlichen Fixkosten. Und diese laufen weiter, auch wenn die Entwicklung länger dauert als geplant.
Nehmen wir ein Startup mit acht Mitarbeitenden und durchschnittlichen gesamten Personalkosten von 9'000 Franken pro Person und Monat.
Das ergibt 72'000 Franken monatlich oder 864'000 Franken im Jahr.
Verzögert sich die Markteinführung um sechs Monate, fallen allein für dieses Team weitere 432'000 Franken an.
Natürlich ist das eine rein hypothetische Rechnung. Und selbstverständlich braucht es Mitarbeitende, um eine Technologie überhaupt zur Marktreife zu bringen.
Aber sie zeigt, wie schnell ein grösseres Budget aufgebraucht sein kann.
Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen, bestimmte Aufgaben zunächst extern zu vergeben, mit einem kleineren Kernteam zu arbeiten oder mehr Mittel für Praxistests einzuplanen.
Denn nur weil Geld vorhanden ist, muss es nicht sofort ausgegeben werden.
Allerdings stehen Gründer mit solchen Entscheidungen nicht immer allein da.
Wer Geld von Investoren erhält, muss häufig auch Erwartungen erfüllen.
Es werden Ziele vereinbart, Meilensteine festgelegt und Fortschritte erwartet. Schliesslich möchten die Geldgeber sehen, dass sich ihre Investition entwickelt.
Das ist nachvollziehbar.
Doch daraus kann auch Druck entstehen.
Das Startup soll wachsen, neue Mitarbeitende gewinnen, den Markteintritt vorbereiten und möglichst schnell Ergebnisse liefern.
Ein grösseres Team kann dabei nach aussen den Eindruck vermitteln, dass es vorwärtsgeht.
Nur bedeutet Wachstum nicht automatisch Fortschritt.
Und nicht jeder Meilenstein sagt etwas darüber aus, ob das Produkt beim Kunden tatsächlich funktioniert.
Natürlich können Investoren auch genau das Gegenteil bewirken: Sie bringen Erfahrung mit, hinterfragen Entscheidungen und helfen, Ressourcen sinnvoll einzusetzen.
Entscheidend ist, woran der Erfolg gemessen wird.
An der Anzahl Mitarbeitender? Am ausgegebenen Kapital? Oder daran, ob das Unternehmen einer funktionierenden Lösung und zahlenden Kunden näherkommt?
Das Problem des zu frühen Wachstums ist nicht neu.
Eine Studie von Startup Genome untersuchte bereits 2011 über 3'200 Technologie-Startups. Dabei zeigte sich: Startups, die zu schnell wachsen wollten, hatten oft dreimal so viele Mitarbeitende wie Unternehmen, die ihr Team Schritt für Schritt aufbauten.
Das bedeutet nicht, dass grosse Teams grundsätzlich falsch sind. Aber es zeigt, dass der Zeitpunkt des Wachstums eine wichtige Rolle spielt.
Gerade bei neuen Technologien lässt sich nicht immer vorhersehen, wann eine Entwicklung tatsächlich marktreif ist. Umso wichtiger ist es, den Unternehmensaufbau immer wieder an die tatsächlichen Fortschritte anzupassen.

Ein Startup kann nicht warten, bis jedes Risiko beseitigt ist. Ohne Investitionen, Mitarbeitende und Mut entsteht schliesslich auch nichts Neues.
Aber vielleicht lohnt es sich, zwischendurch ein paar unbequeme Fragen zu stellen.
Brauchen wir diese zusätzliche Stelle bereits jetzt? Wissen wir, welche Aufgaben langfristig anfallen? Haben wir unsere Technologie ausreichend unter realen Bedingungen getestet? Und wie lange reicht unser Geld, wenn sich die Entwicklung nochmals um ein Jahr verzögert?
Manchmal ist es sinnvoll, ein Team auszubauen.
Manchmal ist es klüger, vorerst mit einem kleineren Kernteam und externer Unterstützung weiterzuarbeiten.
Eine erfolgreiche Finanzierung ist noch kein erfolgreiches Geschäftsmodell.
Vielleicht sollten Startups deshalb nicht möglichst schnell möglichst gross werden wollen.
Sondern erst dann das Team vergrössern, wenn auch das Produkt bereit dafür ist.
Denn am Ende bezahlt nicht die Anzahl Mitarbeitender die Rechnungen.
Sondern ein Geschäftsmodell, das funktioniert.
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