


Hier findest du Gedanken und praktische Impulse rund um Geschäftsideen, Startups und Selbständige.
Hier findest du Gedanken und praktische Impulse rund um Geschäftsideen, Startups und Selbständige.

Was haben Kindergartenkinder und Selbständige gemeinsam?
Mehr, als man vielleicht denkt.
Beide sind neugierig, probieren gerne Neues aus und wissen manchmal überhaupt nicht, was sie da gerade tun.
Der Unterschied? Wenn im Kindergarten etwas schiefgeht, gibt es vielleicht ein paar Tränen. Bei Selbständigen manchmal eine ziemlich hohe Rechnung.
Dass der Vergleich gar nicht so weit hergeholt ist, zeigt ein interessantes Experiment.
Bei der sogenannten Marshmallow-Challenge bekommen die Teilnehmenden 20 Spaghetti, etwas Klebeband, eine Schnur und einen Marshmallow. Daraus sollen sie innerhalb von 18 Minuten einen möglichst hohen, freistehenden Turm bauen. Die Voraussetzung dafür war, dass das Marshmallow an der obersten Stelle des Turm plaziert sein musste.
Und wer war bei den beschriebenen Experimenten häufig besser als angehende Wirtschaftsfachleute?
Kindergartenkinder.
Nicht, weil sie mehr über Statik wussten. Sondern weil sie einfach anfingen.
Sie bauten, probierten aus, sahen ihren Turm umfallen und versuchten es nochmals.
Während andere noch über die beste Konstruktion diskutierten, hatten die Kinder bereits herausgefunden, welche nicht funktioniert.
Kommt dir das bekannt vor?
Das eine Kind baut beeindruckende Türme. Das andere malt wunderschöne Bilder. Ein drittes schafft es, dass plötzlich alle gemeinsam ein Spiel spielen.
Aber keines kann alles.
Und niemand erwartet das.
Bei Selbständigen sieht das manchmal anders aus.
Du kannst dein Handwerk noch so gut beherrschen. Sobald du dich selbständig machst, sollst du plötzlich auch verkaufen, rechnen, organisieren, Werbung machen und am besten noch eine anständige Webseite gestalten.
Dabei hast du vielleicht von der Hälfte dieser Dinge ungefähr so viel Ahnung wie ein Kindergartenkind von der Steuererklärung.
Trotzdem probierst du es.
Und genau das ist eine deiner grössten Stärken.
Erinnerst du dich, wie du als Kind gelernt hast, mit einer Schere zu schneiden?
Wahrscheinlich hast du nicht zuerst drei Bücher über die richtige Schnitttechnik gelesen.
Du hast eine Schere bekommen, Papier zerschnitten und irgendwann festgestellt, dass es besser funktioniert, wenn man das Papier nicht gleichzeitig zerknüllt.
Bei der Selbständigkeit ist es manchmal ähnlich.
Du hast eine Idee, überlegst dir, wie du sie umsetzen könntest, und fängst an.
Vielleicht stellst du fest, dass dein Angebot niemand kaufen möchte. Vielleicht sind deine Preise zu tief. Oder du merkst, dass deine Kunden etwas ganz anderes brauchen, als du ursprünglich gedacht hast.
Das ist ärgerlich. Manchmal auch teuer.
Aber du hast etwas herausgefunden.
Und dieses Wissen kannst du beim nächsten Versuch nutzen.
Natürlich bedeutet das nicht, dass du auf Planung verzichten solltest. Gerade wenn viel Geld auf dem Spiel steht, lohnt es sich, vorher gründlich nachzudenken.
Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem du mit Nachdenken allein nicht mehr weiterkommst.
Manches lässt sich nicht fertig denken. Man muss es ausprobieren.
Im Kindergarten gehört es dazu, dass ein Turm umfällt.
Man sammelt die Bauklötze ein und beginnt nochmals.
In der Selbständigkeit ist das nicht ganz so einfach.
Wenn du monatelang an einem Angebot gearbeitet hast, das niemand kaufen möchte, kannst du nicht einfach die Bauklötze zurück in die Kiste legen.
Du hast Zeit investiert. Vielleicht auch Geld.
Trotzdem ist nicht alles verloren.
Vielleicht hast du inzwischen herausgefunden, welche Kunden du ansprechen solltest. Vielleicht weisst du jetzt, warum deine Preisberechnung nicht aufgegangen ist. Oder du hast erkannt, dass dein Angebot angepasst werden muss.
Du fängst also nicht wirklich bei null an.
Zumindest dann nicht, wenn du aus deinen Erfahrungen etwas machst.
Denn fünfmal denselben Turm bauen und fünfmal zuschauen, wie er umfällt, bringt dich irgendwann auch nicht mehr weiter.
Ausprobieren ist wichtig. Aber dazulernen gehört dazu.
Zurück zur Marshmallow-Challenge.
Die Kindergartenkinder waren erstaunlich gut. Aber sie waren nicht die Besten.
Besonders hohe Türme bauten Architekten und Ingenieure. Sie wussten bereits, welche Konstruktionen stabil sind.
Auch Teams mit Führungskräften schnitten besser ab, wenn jemand dabei war, der Erfahrung mit der Organisation und Zusammenarbeit von Gruppen hatte.
Das ist eigentlich logisch.
Die Kinder brachten Neugier und Experimentierfreude mit. Die Fachleute zusätzlich Wissen und Erfahrung.
Und genau diese Kombination ist auch für Selbständige interessant.
Du kannst hervorragend backen, aber vielleicht hast du noch nie eine Preiskalkulation gemacht.
Du kannst wunderschöne Möbel herstellen, weisst aber nicht, wie du neue Kunden gewinnen sollst.
Oder du hast eine spannende Geschäftsidee, aber keine Ahnung, wie du herausfinden kannst, ob es dafür genügend Nachfrage gibt.
Natürlich kannst du dich in all diese Themen einarbeiten.
Die Frage ist nur: Musst du wirklich alles selbst lernen?
Stell dir vor, du möchtest ein neues Angebot entwickeln.
Du überlegst, gestaltest, rechnest und arbeitest wochenlang daran. Anschliessend stellst du fest, dass deine möglichen Kunden ganz andere Vorstellungen haben.
Hättest du sie früher gefragt, wäre dir vielleicht einiges an Arbeit erspart geblieben.
Und vielleicht hätte dir jemand mit Erfahrung in der Marktforschung dabei helfen können, die richtigen Fragen zu stellen.
Dasselbe gilt für viele andere Aufgaben.
Manchmal brauchst du jemanden, der sich mit Zahlen auskennt. Manchmal jemanden mit Verkaufserfahrung. Und manchmal reicht schon eine Person, die deine Idee kritisch hinterfragt.
Das kann eine Mitarbeiterin sein, ein Geschäftspartner, ein erfahrener Bekannter oder jemand, den du für eine bestimmte Aufgabe dazuholst.
Es geht nicht darum, für jedes Problem gleich einen Spezialisten zu engagieren.
Sondern darum, zu erkennen, wo du selbst weiterkommst und wo dir die Erfahrung anderer helfen könnte.
Denn nur weil du selbständig bist, musst du noch lange nicht alles alleine können.
Jetzt könnte man meinen, mit genügend Einsatz, Neugier und den richtigen Menschen müsste eigentlich jede Geschäftsidee erfolgreich werden.
Schön wär's.
Manchmal passt der Zeitpunkt nicht. Ein wichtiger Kunde springt ab. Die Nachfrage entwickelt sich anders als erwartet. Oder etwas funktioniert in der Praxis einfach nicht so, wie du es dir vorgestellt hast.
Nicht alles lässt sich beeinflussen.
Ein bisschen Glück gehört manchmal tatsächlich dazu.
Aber zwischen Glück haben und einfach darauf warten liegt ein ziemlich grosser Unterschied.
Du kannst mit möglichen Kunden sprechen. Angebote testen. Deine Zahlen kennen. Rückmeldungen einholen. Fehler korrigieren. Und Menschen hinzuziehen, die etwas besser können als du.
Eine Erfolgsgarantie gibt dir das alles nicht.
Aber du kannst einiges dafür tun, dass dein Turm eine stabile Grundlage bekommt.
Glück kann man nicht planen. Aber man kann ihm die Arbeit erleichtern.
Vielleicht bist du richtig gut in dem, was du machst.
Vielleicht hast du aber auch gerade erst angefangen und musst noch ziemlich viel lernen.
Beides ist in Ordnung.
Wichtig ist, dass du neugierig bleibst, Dinge ausprobierst und bereit bist, etwas zu verändern, wenn es nicht funktioniert.
Und wenn du bei einer Aufgabe nicht weiterkommst, musst du nicht unbedingt nochmals ganz von vorne anfangen.
Vielleicht gibt es jemanden, der dir zeigen kann, warum dein Turm immer an derselben Stelle zusammenfällt.
Du musst nicht jeden Fehler selbst machen, um daraus lernen zu können.
Und manchmal wird der nächste Turm gerade deshalb höher, weil du ihn nicht mehr ganz alleine baust.
Quellen und weiterführende Informationen
Tom Wujec: Build a Tower, Build a Team, TED-Vortrag (2010)
Tages-Anzeiger: Marshmallow-Challenge – Warum Kinder besser bauen als Manager
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